erfolgreich - kommunikativ - selbstbewusst mit Dr. Alix Krüger
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Wahrgenommen und doch nicht bemerkt?

 

Ende Februar 2020 erhielt ich via Newsletter den Beitrag von Anja Förster und Peter Kreuz zum Challenge Netzwerk, den ich sehr mutig und zugleich sehr ermutigend finde.

 

Darin beschreiben diese erfahrenen Medienprofis, wie sie sich der Herausforderung stellen, ihre Vorträge nicht nur wie gewohnt gut zu halten, sondern sie auch überzeugend zu inszenieren.

 

Noch wichtiger: Sie schilderten ihre Reaktion auf das Profi-Feedback eines Theaterregisseurs so realistisch, dass ich ihr Zurückschrecken auf dessen erste Reaktion quasi mitfühlen konnte.

Photo by Giorgio Encinas on Unsplash

 

Wie ich andererseits auch den anschließenden Moment, als sie sich trotzdem mutig und offen der Kritik stellten, in mir selbst nachhallen lassen konnte.

 

Warum ich das so wichtig finde? Weil wir doch letztlich alle mehr davon haben, wenn wir uns selbst gestatten, die Wirkung unserer Worte und Handlungen nach außen und Reaktionen auf andere wirklich im Feedback wieder an uns heranzulassen.

 

Anhören ist nicht das Gleiche wie an sich heranlassen

Trotz meiner langen Erfahrung gerade im Training der Wahrnehmung erwische ich mich auch selbst immer wieder, dass ich die Sicht eines anderen nicht ausreichend wahrgenommen habe. Also mindestens eines der berühmten vier Ohren des Schulz von Thun Modells zugeklappt war.

Wenn Menschen die Challenge annehmen, sich ihren eigenen Wahrnehmungsblockaden zu stellen, so ist das für sie eine Chance, einen offeneren Umgang mit der eigenen Wahrnehmung zu trainieren. Und für alle Beobachter ist es eine Chance, daraus zu lernen.

 

Gegen den Strich gekämmt?

Auch wenn Kritik noch so freundlich geäußert wird, fällt das Annehmen niemandem leicht. Schließlich haben wir ja schon eine Meinung von uns, eine Sicht auf uns, wie wir zu sein meinen.

Das Außenbild ist uns... na, sagen wir, eher weniger angenehm, besonders dann, wenn es deutlich unterhalb des eigenen Levels liegt: „Ich seh mich aber ganz anders!“.

Ich habe vielfach die Erfahrung gemacht, dass dabei häufig ein ganz wesentliches Kriterium übersehen wird und damit eine Riesenoption für sich selbst einfach aus der Hand gegeben wird: Die eigene Wahrnehmung.

Stellen wir uns einmal vor, unser Gegenüber sagt etwas, was uns erheitert, erfreut, uns gefällt, interessiert oder einfach nur angenehm ist. Wir reagieren entsprechend mit Lächeln oder herzlichem Gelächter und mit positiver Öffnung zu dem Sprecher. Wir hören besser, genauer, länger hin und sogar richtig zu.

Wenn seine Äußerung bei uns jedoch eine irritierte, unangenehme, verunsicherte Emotion auslöst, versehen wir diese Äußerung oft sogar sehr schnell mit der Plakette: „Nicht aufnehmen, ist schädlich!“. Wir ordnen sie also sofort weg oder blockieren sie ganz.

Nur fällt dabei eben auch vieles gleich mit durchs Blockade-Raster, was uns vielleicht doch weitergebracht hätte. Gerade in beruflichen Teams kommt es so zur vorschnellen Auslese von Aussagen, die bei näherer Betrachtung sowohl für das Team wie auch für das Unternehmen selbst sogar sehr nützlich gewesen wären. So entstehen häufig mehr Konfrontationen, als bei einer größeren Anzahl von Alternativ-Optionen nötig gewesen wäre.

 

Die unterschätzte Vielfalt

Analog zum „Inneren Team“, wie es Friedemann Schulz von Thun lehrt https://www.inneres-team.de/, habe ich eine Methode entwickelt, wie wir zusammen mit unserem Körper in einer Art „innerem Zwiegespräch“ das Zulassen von Wahrnehmungen erarbeiten können.

So habe ich den Gedanken des so wichtigen und sehr erprobten „Inneren Teams“ aufgenommen und um einige Mitarbeiter erweitert:

Herrn Auge (Optischer Sinn), Frau Ohr (Hörsinn), Herrn Eingangsprüfer (Geschmacks- und Geruchssinn), Frau Fühl (Tastsinn) und die körpereigenen „Spürhunde“ (Rezeptoren in Organen, Gelenken, Muskeln, Sehnen). Die ‚Anrede‘ dieser „Mitarbeiter“ können Sie auch gern tauschen, wenn Sie möchten.

Diese „körperliche Erweiterung“ des inneren Teams verschafft weitere Vorteile. Denn so können wir Wahrnehmungen als das trainieren, was sie sind: Unsere Fähigkeit, die Außen-Reaktionen und auch unsere eigenen (hier eben auch körperlichen) Reaktionen darauf wirklich zunächst nur wahr-zu-nehmen. Wahrnehmungen sind erst einmal Sinneseindrücke und Rezeptoren-Meldungen. Diese werden uns als ‚wahr‘ nach „oben“ gemeldet.

Warum ich das so wichtig finde?

Weil wir oft glauben, über unsere Wahrnehmungen zu reden, aber unsere Verarbeitung der Wahrnehmungen zu Ansichten und Meinungen, Auffassungen und Einstellungen meinen.

Ein simples Beispiel: Sie treten in einen Reißnagel, schreien auf und heben den Fuß hoch. Wenn ich jetzt in den Trainings nachfrage, warum Sie das tun, bekommt ich häufig die Antwort: „Na, weil mir mein Fuß gemeldet hat, dass ich in einen langen Reißnagel getreten bin.“

Hat er das wirklich? Nein, die Meldung lautete: Etwas ist in den Fuß eingedrungen. Qualität: spitz, scharf, Tiefe: bis in tiefere Schichten des Fußes. Schmerzempfindung: sehr schmerzhaft. Von einem „Reißnagel“ ist in der Meldung keine Rede.

Diese Bezeichnung kommt erst im Gehirn bei der Überprüfung aller Reize und Erinnerungen zum Tragen: Bei der Betrachtung des Fußes, dem Auffinden des besagten Gegenstands, durch Erinnerung an frühere gleiche oder ähnliche Vorfälle oder durch den Hinweis eines Anwesenden.

 

Erst wahrnehmen, dann ändern. Einfach? Nein. Aber sehr erfolgreich!

Machen Sie einmal spaßeshalber den Selbsttest in Sachen Wahrnehmung. Hören Sie sich am Tag einmal genauer zu, wenn Sie über Wahrnehmungen sprechen.

Sind das wirklich Wahrnehmungen, über die Sie sprechen? Oder nicht vielleicht doch das, was Sie bei der nachfolgenden Überprüfung und Zuordnung im Gehirn daraus gemacht haben? Sagen wir nicht oft, wenn wir über unsere Wahrnehmungen während eines Gesprächs reden: „Das habe ich so aufgefasst“, „Ich habe das so verstanden, dass ...“, „das ist bei mir aber so (oder ganz anders) angekommen!“? Verstehen und auffassen ist aber nicht wahrnehmen. Welche Signale hat das Gegenüber wirklich gesendet, welche haben wir wirklich empfangen?

Nehmen wir zunächst nicht einfach nur die kleinsten Bewegungen der Körpersprache wahr? Ob jemand die Schulter zuckt, wenn auch nur minimal, oder die Augen kurz wegdreht, sich leicht zurückzieht oder uns sehr forsch entgegentritt – wir nehmen es sofort wahr und unsere eigenen ‚körperlichen‘ Reaktionen darauf auch. Und doch kommt vieles „oben“ im Kopf nicht an oder wird ganz anders ausgelegt?

 

Unsere Sinne nehmen wahr, aber wir unsere Sinne nicht?

Natürlich werden Wahrnehmungen später mit allem, was unsere Persönlichkeit ausmacht, verarbeitet. Dennoch sind sie zunächst das Fundament. Je mehr sie uns bewusst werden, desto mehr an neuen Erfahrungen und Aspekten eröffnet sich uns dadurch, desto größer die Spannbreite der eigenen Handlungsoptionen.

Wir alle brauchen diese Ermutigungen durch die dadurch möglichen kleinen und großen Erfolge! Sie erleichtern so vieles und machen Lust auf mehr.

 

Gerade jetzt, in der Zeit so vieler notwendiger Veränderungen in Gesellschaft und Unternehmen, ist diese Option der eigenen Wahrnehmung so spannend und doch so beruhigend und auch „wegweisend“ im wahrsten Sinn des Wortes.

 

Ich wünsche Ihnen diese Erfolge und biete Ihnen gern entsprechende Unterstützung zu dieser Thematik für die von Ihnen erklärten Ziele an. Sie erreichen mich per Mail, ich melde mich zeitnah bei Ihnen.

Ihr Kontakt zu mir

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© Dr. Alix Krüger