erfolgreich - kommunikativ - selbstbewusst mit Dr. Alix Krüger
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Die eingebaute Trendwende

Von einem guten Arzt erwarten wir nicht zu Unrecht, dass er sich uns als Patienten erst einmal genau anschaut, fragt, wie es uns jetzt geht und nach früheren Vorfällen fragt.

Dass er dabei sowohl auf Zwischentöne als auch auf das achtet, was wir selbst vielleicht als nicht so wichtig angesehen und daher eher beiläufig erwähnt hatten.

Und dann anfängt, sich über daraus sich ergebende Fragen und einige gezielte Untersuchungen dem zu nähern, was wirklich die Ursache für unsere Beschwerden sein kann.

 

Jetzt heben sicher viele skeptisch eine Augenbraue: „Welcher Arzt hat denn dazu noch Zeit?“

Lösen wir uns einmal von dem Zeitproblem der Ärzte und wenden uns unserem eigenen Vorgehen zu. Denn je mehr wir selbst bei uns wahrnehmen, desto besser informiert sind wir über uns selbst. Dann auch als Gegenüber für unseren Arzt oder unsere Ärztin.

 

Letztendlich benötigen wir für die Trendwende in unserer Einstellung selbst auch genau dieses systematische Vorgehen. Wir müssen einen fairen, ruhigen, wertschätzenden und sachlich korrekten Umgang mit unserem Körper aufgrund dessen lernen, was er uns wirklich mitteilt und was er von uns an Unterstützung und Wartung braucht.

Erst dann kann unser Körper mit all seinen hochpotenten Systemen optimal funktionieren und für uns ein guter Unterstützer und Lebenspartner sein. Er wird immer derjenige Partner sein, der uns am nächsten ist. All inclusive sozusagen.

 

Ihn immer nur als den ‚inneren Schweinehund‘ zu titulieren, wird ihn nicht begeistern, macht ihn für uns selbst nicht zugänglicher und unseren Respekt ihm gegenüber nicht größer. Fazit: Wir haben nichts davon.

Denn wir können nur regeln, wenn wir Bescheid wissen. Wir können nur Bescheid wissen, wenn wir sehen (und hören und fühlen. Also wahrnehmen!)

Schließlich können wir auch nicht Auto fahren, wenn wir vor dem Start die Windschutzscheibe mit unsere ausgedruckten, bunten Wunschvorstellungen zukleben. Wenn Sie dann doch so losfahren wollen, sagen Sie bitte Bescheid, wo genau Sie langfahren wollen, damit sich jeder in Sicherheit bringen kann.

 

Also statt vorschnell etwas zu beurteilen, erst einmal fragen. Erstaunt schauen mich die meisten an: „Wie soll ich meinen Körper fragen, was mit ihm ist?“ „Na, Sie sind gut! Ich kann ja schlecht mit ihm einen kleinen Plausch auf dem Sofa halten, oder?“ „Wie soll das denn gehen?“

 

Der Plausch auf dem Sofa ist gar keine so schlechte Idee, es kann auch ein Spaziergang allein in der Stille sein oder Sie setzen sich ans Ufer eines Sees.

Wichtig ist, dass Sie Ihre Wahrnehmungen an sich heranlassen.

Stellen Sie die Fragen an Ihren Körper in einer Sprache, die er entschlüsseln kann. In seiner eigenen.

 

Nehmen wir einmal ein ziemlich simples Beispiel: Sie haben Schmerzen im Bereich des Rückens. In der Regel kommt es zu Bemerkungen wie: „Ich habe Rücken.“

Meine Antwort: „Seien Sie dankbar, dass Sie einen Rücken haben. Ohne Ihren Rücken würden sie jetzt über den Boden robben müssen, um von A nach B kommen zu können. Keine angenehme Position im Leben, wenigstens nicht für Menschen."

 

Auch ein beliebtes, aber sehr irreführendes Spiel: Die Sofort-Zuordnung: Jeder Arzt kennt dieses Kausalitätsbedürfnis. Nachvollziehbar, aber in Sachen Körperverständnis nicht von Nutzen.

„Ich habe Rückenschmerzen, weil....“.

Meine Antwort: „Woher wissen Sie das? Wie haben Sie diese Information denn von Ihrem Körper bekommen?“

„Äh nee, das weiß man doch.“

 

Nein, und das genau ist das Problem: In der Regel wissen es die meisten nicht.

Viele Menschen ordnen Symptome bestimmten Tätigkeiten zu, weil es ihnen „logisch“ erscheint. So hat jemand eben Rückenschmerzen, weil er gestern seinem Freund geholfen hat, einen kleinen Schrank in den 2. Stock ohne Fahrstuhl hoch zu wuchten. „Ist doch klar“.

Nein, ist es nicht. Denn wir sprechen hier von einem 45-jährigen Mann, der ab und zu Fußball spielt, ständig mit dem Fahrrad, wie sich das für einen Westfalen gehört, zur Arbeit fährt und auch sonst nicht gerade einen muskelschwachen Eindruck macht. Der Vorfall kann also ein Auslöser sein, muss aber nicht der Grund sein.

 

Wichtig ist, dass wir uns unseren eigenen Fragen nach innen stellen. Das geht. Und zwar über die eigene Wahrnehmung. Wenn wir sie nicht sofort verfälschen. Eine sofortige, noch dazu scheinbar kausale Zuordnung einer Wahrnehmung bewirkt nur eins: Wir können sie nicht nutzen, weil wir ja bereits (und das vermutlich nicht zum ersten Mal) eine Zuordnung vollzogen haben. Auch wenn diese gar nicht stimmt.

 

Was genau fühlen wir wo, in welchen Situationen und unter welchen Voraussetzungen? Hier haben wir oft Defizite bei der reinen Wiedergabe nur der Wahrnehmungen. Und somit ist die Tür weit auf für die kognitive Dissonanz in Form einer von der persönlichen Eigensicht gesteuerten Wahrnehmung.

 

Wir neigen dazu, auch aus Erziehung und Werdegang heraus, eine nicht sofortige Zuordnung einer Beobachtung als Schwäche zu empfinden. „Das muss man doch können, das kann doch jeder!“ Nein.

Das muss und kann man nicht.

Also alles auf neu und nur wahrnehmen? Ich schlage vor, sich zunächst einmal einfach auf das Wahrnehmen zu konzentrieren.

Dazu braucht es Zeit und viel Training.

Alles neu macht keinen Sinn: manches ist gut, manches können wir verbessern, manches kann weg.

 

Gönnen Sie sich doch vielleicht einmal Momente, in denen Sie nur Ihr eigener stiller Beobachter sind.

Ablenkungsfrei.

 

Und nicht zwischen Büro, häuslichen Anforderungen, im Auto oder vor irgendwelchen Bildschirmen.

 

Was spüren Sie in sich wirklich?

 

Die Antworten sind spannend, wenn man erst einmal gelernt hat, sie von innen her zuzulassen. Viel spannender als das immer gleiche Wiederholen alter Zuordnungen.

 

Oft begegnet mir anfangs wenig Begeisterung: „Och nö... ich weiß nicht... wer schaut sich schon begeistert seine Schwächen an?“

Erstens stellt sich die Frage: Sind das überhaupt Schwächen? Und nicht einfach Zustände, die wir durch einen anderen Umgang mit unserem Körper besser verstehen und handhaben können?

Ich rede hier ganz sicher nicht der Selbstmedikation oder Selbsttherapie das Wort, sondern beziehe mich lediglich auf Anteile, die wir wirklich selbst tun können.

 

Bei einem Training lächelte mich ein junger Mann dabei etwas gezwungen von der Seite an: „Ich wette, jetzt kommt sowas mit gesünder leben!“  Ich lächelte zurück: „Ich denke mehr an anerkannter, freier, positiver, glücklicher leben.“ Das klang sichtlich schon besser für ihn.

 

Vielleicht ist manche selbst so eingeschätzte Schwäche auch tatsächlich unsere Schwachstelle. Wir wissen um sie, müssen mit ihr leben. Gut, man kann versuchen, die eine oder andere Schwäche zu verbessern.

Nur ergibt sich daraus häufig ein Problem: Jemand, der all seine Schwächen ausgemerzt hat – was definitiv ins Reich der Fantasie gehört – hat dadurch nicht eine einzige Stärke mehr.

 

Es sind eben definitiv nicht die Schwächen, die unsere Persönlichkeit ausmachen, sondern das, was wir können, was unsere Stärken sind. Nur, dass eben nicht jeder weiß, wozu er im Grunde fähig ist und was die eigene Persönlichkeit für Schätze beinhaltet.

Viele stecken daher vorschnell zurück, obwohl dafür gar kein faktischer Grund vorliegt.

Andere verschätzen sich, überschätzen sich, was auch verbesserungswürdig ist.

 

Was wir heute noch nicht können, können wir vielleicht morgen doch schon und zwar überraschend gut. Wenn wir etwas noch nie versucht haben, macht es einfach keinen Sinn, diese unbekannte Tätigkeit ohne Grund unserer eigenen angeblichen Unfähigkeit zuzuordnen.

Und nur deshalb über die eventuellen Chancen nicht etwa weiter nachzudenken.

 

Das bedeutet, dass viel zu viele Menschen unter Umständen sogar weit unter ihren Möglichkeiten leben.

Da das weder Spaß macht, noch die Lebensfreude hochschraubt und wir damit auch nicht besser arbeiten oder leben, gibt es keinen Grund, bei dieser Vorgehensweise zu bleiben.  

Doch für die Änderung brauchen wir zwingend etwas ganz Wesentliches:

 

Unsere eigene Wahrnehmung. Wahr-nehmen heißt nicht „sich etwas vorzustellen“, „der Meinung zu sein, weil...“ oder die bisherige Denkweise oder Einstellung erneut abzurufen.

 

Wahr-nehmen bedeutet, etwas mit unseren Sinnen als „wahr“ aufzu-„nehmen“ und uns etwas „vor Augen zu führen“.

Wenn wir unaufmerksam oder geistesabwesend sind, wird das auch mit „von Sinnen sein“ beschrieben. Vielsagend, denn genau das passiert im Inneren. Unsere Sinne nehmen wahr, aber wir unsere Sinne nicht.

 

Unsere Sinnesorgane und sämtliche, daraus resultierenden Verschaltungen in unseren Netzwerken sind weit öfter aktiv, als wir deren Meldungen an uns, unser Bewusstsein heranlassen.

Wir bemerken vieles eben einfach nur nicht. Wenn wir konzentriert mit dem Blick auf die Straße vor uns durch die Menge eilen, den nächsten Termin „im Kopf“ oder die nächste Pflicht „vor Augen“, so haben wir „keinen Kopf“ dafür, wie viele Menschen lächeln, dass die Sonne nur so strahlt und wir das eigene Leben doch im Grunde irgendwie ganz gut bewältigen, gesund sind und aktiv am Leben teilhaben können.

Schon das ist ein Grund zu Dankbarkeit, es gibt ja auch Menschen, denen es ganz anders geht.

 

Augen und Ohren sind wichtige Informationslieferanten. Sie liefern Informationen, nicht vorgefertigte Auffassungen.

Diese machen erst wir selbst daraus.

Je mehr wir erst die Informationen so aufnehmen, wie wir sie gefühlt und wahrgenommen haben, und dann deren verschiedenen Aspekte von allen Seiten „beschnuppern“ und „betrachten“, desto leichter erhalten wir ein viel größeres Wissenskontingent, als mit der uns schon lange bekannten Schnellversion:

„Ach, das kenne ich schon-das geht nicht-ging noch nie-habe ich alles schon versucht“.

Bei dieser Schnellversion, einem Eigen-Reflex ähnlich, darum auch reflektorisch genannt, ist nur eins ganz klar: Etwas Neues kommt dabei garantiert nicht heraus. Warum dann sich immer wieder die alte Leier „anhören“, wenn wir den Schlussakkord doch ohnehin schon kennen?

Weil wir es so gewohnt sind?

Was definitiv von der Natur unserer Körpersysteme her keineswegs heißt, dass wir uns nicht umgewöhnen können.

 

Diese Umgewöhnung ist sogar deutlich vielversprechender. Rechnen wir doch einmal selbst eine Quote aus, wie oft wir einer Idee zunächst eher abwehrend „gegenüberstehen“. Das ist durchaus wörtlich gemeint: Gegenüber stehen.

Wir sehen nur eine Seite, somit nur einen Aspekt.

Für diese Sichtweise gibt es eine Übung, die ich häufig zu Beginn der Kooperationstrainings durchführen lasse. Ich lasse die jeweiligen „Kontrahenten“ eine Position einander gegenüber mit großem Abstand zueinander einnehmen. Dann sollen sie aufeinander zugehen und sich die Hände geben wie bei einem ganz normalen Gruß. Jetzt bitte ich sie, alles zu schildern, was sie in dem Moment wahrnehmen.

Jeder schildert, was er sieht.

Ich frage dann die anderen, welche Wahrnehmungen die beiden gemeinsam hatten.

Bei genauerem Betrachten äußerst wenig. Diese Position eignet sich eher zu dem altbekannten Kinderspiel: „Ich seh etwas, was du nicht siehst.“

 

Häufig werden dabei „Wahrnehmungen“ beim Gegenüber geäußert, die gar keine Wahrnehmungen sind:

„Ich sehe deutlich seine Ablehnung meines Standpunkts.“ „Ich fühle doch, wie er schon nachdenkt, wie er seinen Punkt machen kann.“ „Ich kann förmlich riechen, dass sie überlegt, wie sie mich an die Wand spielen kann!“

Erstaunlich, was als Wahrnehmung bezeichnet wird. Die Ablehnung eines Standpunkts sehen? Ein Denkmuster fühlen? Eine Überlegung riechen?

Bei der Übung geht es genau darum: Sehen, hören, riechen, fühlen = wahrnehmen. Nicht mehr als das, aber eben auch nicht weniger.

 

So führt das Training hier über ein unbewertetes Aufnehmen einer Wahrnehmung in unser Bewusstsein zu einer großen Bandbreite an Informationen, über die wir zukünftig verfügen. Wir müssen ja nichts akzeptieren, was uns andere zeigen, nichts sofort übernehmen. Keine „Wenn nicht  so...dann geht ja nur so!“ - Situation mehr.

Sondern ein Fächer an Möglichkeiten. Für deren Auswahl wir uns Zeit nehmen können. Niemand kann von uns sofortige Antworten erwarten, die dann wieder im reflektorischen Bereich angesiedelt sein können.

 

So können wir mit ganz verschiedenen Aspekten entspannt umgehen und haben unser Recht auf die eigene Entscheidung eben nicht aus der Hand gegeben.

Das ist ein sehr wichtiger Teil der Trendwende:

Sich für die eigenen Ressourcen zu entscheiden, sie zu fördern und gerade in kritischen Momenten unseren Körper als Lebenspartner auf unserer Seite zu haben. Und das mitsamt den so spannenden Möglichkeiten unseres Gehirns, da der Kopf bekanntlich am Körper festgewachsen ist.

 

Wahrzunehmen, zu was wir in welcher Weise fähig sein können. Und uns auch kritisch sehen zu können, ohne uns zu entmutigen.

Durch diese Wahrnehmung das eigene Leben überzeugt und selbstbewusst zu gestalten und zu genießen.

 

Dass Menschen, die zu der Komplexität ihres Wesens, welches wir Menschen nun einmal haben, zunehmend „Ja“ sagen, auch für ihre Arbeit, ihre Unternehmen, ihre Teams, ihre Freunde und ihre Familie von höherem Wert sind, ist an der zunehmenden Wertschätzung gut ...

na eben: ... gut wahrnehmbar.

 

Sie möchten mehr darüber wissen, auch ganz speziell zu Ihren Fragen, für Ihre Gruppe, Ihr Team, Ihr Unternehmen? Schreiben Sie mir bitte eine kurze Nachricht, wer Sie sind und um was es Ihnen geht, ich melde mich bei Ihnen.

 

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